Erkrankung
Angststörungen verstehen und behandeln
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie sind gut behandelbar. Verhaltenstherapie ist nach den S3-Leitlinien der AWMF das am besten untersuchte ambulante Verfahren bei generalisierter Angststörung, Panikstörung, Agoraphobie und sozialer Phobie. Wir behandeln Erwachsene an unseren Standorten in Berlin Wedding und Mitte, auf Deutsch, Türkisch, Englisch oder Niederländisch. Erstgespräche führt Burak Inkaya, die psychotherapeutische Behandlung übernimmt Sema Akbunar.
Grundlagen
Was ist eine Angststörung?
Kurz gefasst. Eine Angststörung ist eine über das normale Maß hinausgehende, anhaltende Angst, die Lebensqualität deutlich einschränkt. Häufige Formen sind generalisierte Angststörung, Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, soziale Phobie und spezifische Phobien. Verhaltenstherapie zeigt die beste Studienlage; die Behandlungsdauer liegt bei 25 bis 50 Sitzungen. In unserer Praxis arbeiten wir ambulant, mehrsprachig und kultursensibel. Bei akuter Panik mit Suizidgedanken oder Selbstgefährdung wenden Sie sich bitte an den Berliner Krisendienst oder den Notruf 112.
Angst ist zunächst eine gesunde Reaktion. Sie schützt uns vor Gefahren und mobilisiert Energie. Eine Angststörung beginnt dort, wo Angst übermäßig stark, lang anhaltend oder ohne erkennbaren Auslöser auftritt und das Leben spürbar einschränkt. Betroffene meiden Situationen, ziehen sich zurück, sind körperlich angespannt und schlafen schlechter. Im internationalen Diagnosesystem ICD-10 werden mehrere Formen unterschieden, die jeweils eigene Verläufe und Behandlungswege haben.
Die Diagnose stellt eine ärztliche oder psychotherapeutische Fachkraft im Erstgespräch und in der probatorischen Phase. Selbsttests wie der GAD-7 sind Orientierungshilfen, kein Ersatz für eine fachliche Einschätzung.
Erkenntnisorientiert
Wir untersuchen gemeinsam, welche Bewertungen Angst aufrechterhalten und welche Gedanken Spielraum eröffnen.
Handlungsorientiert
Vermeidung wird Schritt für Schritt bearbeitet, gestützt durch Verhaltensexperimente und Expositionen, die wir gemeinsam vorbereiten.
Körperorientiert
Atemmuster, Anspannung und Schlaf sind oft Mit-Verursacher. Sie werden mit konkreten Übungen adressiert.
Anzeichen
Wie sich Angststörungen zeigen
Die Symptome unterscheiden sich nach Form. Allen gemeinsam ist eine Kombination aus körperlichen Reaktionen, Gedanken und Verhalten, die in einem Teufelskreis sich selbst verstärken kann.
Panikstörung
wiederkehrende, plötzliche Panikattacken mit Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Todesangst; oft Sorge vor weiteren Attacken
Generalisierte Angststörung
anhaltende, frei flottierende Sorgen über Gesundheit, Familie, Arbeit; körperliche Anspannung, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme
Soziale Phobie
starke Angst, im Mittelpunkt zu stehen oder bewertet zu werden; Vermeidung von Vorträgen, Telefonaten, Smalltalk
Agoraphobie
Angst vor Orten, an denen Flucht oder Hilfe schwierig wäre; Bus, Bahn, Menschenmenge, Höhen, geschlossene Räume
Spezifische Phobie
umschriebene Angst vor einem Objekt oder einer Situation (Spinnen, Spritzen, Höhen, Fliegen)
Krankheitsangst
hartnäckige Sorge, ernsthaft erkrankt zu sein, trotz unauffälliger ärztlicher Befunde
Hintergründe
Wie Angststörungen entstehen können
Angststörungen entstehen meist im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Eine genetische Verletzlichkeit für Angst ist gut belegt. Hinzu kommen Lernerfahrungen aus Kindheit und Jugend, anhaltender Stress, traumatische Ereignisse, körperliche Erkrankungen und Substanzwirkungen. Bei Menschen mit Migrationsgeschichte spielen häufig zusätzliche Belastungen eine Rolle. Dazu zählen Diskriminierungserfahrungen, Sprachbarrieren in Versorgungssystemen, oder die Sorge, dass psychische Themen im familiären Umfeld nicht verstanden werden. Wir nehmen diese biographische Wirklichkeit ernst, ohne Klient:innen über ihre Herkunft zu definieren.
- Biologisch. familiäre Häufung, vegetative Übererregbarkeit, hormonelle Einflüsse
- Psychologisch. frühe Bindungserfahrungen, Selbstwert, Bewältigungsstil, Sicherheitsverhalten
- Sozial. chronischer Stress, Belastungen am Arbeitsplatz, Diskriminierung, instabile Wohnsituation
- Auslöser. akute Lebenskrise, Verlust, körperliche Erkrankung, Substanzentzug
Indikation
Wann eine Behandlung sinnvoll ist
Professionelle Unterstützung ist sinnvoll, wenn Angst über mehrere Wochen anhält, den Alltag deutlich einschränkt, oder wenn Sie beginnen, wichtige Lebensbereiche zu vermeiden. Ein erstes Gespräch klärt, welche Form der Angst vorliegt, ob eine Psychotherapie geeignet ist und welche nächsten Schritte hilfreich sind.
- Angst beeinträchtigt Schlaf, Konzentration oder Arbeitsfähigkeit
- Sie meiden Situationen, die früher selbstverständlich waren
- Körperliche Symptome wurden ärztlich abgeklärt, eine organische Ursache wurde ausgeschlossen
- Sie nutzen Substanzen (Alkohol, Medikamente), um Angst zu dämpfen
- Angehörige sind dauerhaft mitbelastet
- Suizidgedanken oder Selbstverletzungsimpulse treten auf
Bei akuter Krise oder Selbst-/Fremdgefährdung wenden Sie sich bitte sofort an den Notruf 112, den Berliner Krisendienst (030 390 63-00) oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222). Diese Seite ist Information, kein Diagnose- oder Behandlungsersatz.
Diese Seite ist Teil unserer Übersicht Erkrankungen. Eine ärztliche Diagnostik ist in jedem Fall sinnvoll.
Behandlung
Verhaltenstherapie bei Angststörungen
Wir behandeln Angststörungen verhaltenstherapeutisch nach S3-Leitlinie der AWMF (051/028). Die Behandlung beginnt mit einem ausführlichen Erstgespräch, gefolgt von der probatorischen Phase mit zwei bis vier Sitzungen, in denen wir gemeinsam Diagnostik, Indikation und Behandlungsplan erarbeiten. Die eigentliche Therapie umfasst meist 25 bis 50 Sitzungen, je nach Form und Schweregrad.
Bei Bedarf integrieren wir schemathérapeutische Elemente nach Grawe, wenn früh erworbene Muster im Vordergrund stehen. Expositionsverfahren werden gemeinsam vorbereitet und schrittweise umgesetzt. Wir arbeiten in Einzeltherapie und in der gemeinsamen rassismuskritischen Gruppentherapie. Sitzungen sind auf Deutsch, Türkisch, Englisch oder Niederländisch möglich. Mehr zur Methode unter Verhaltenstherapie.
- Psychoedukation zu Angst und Teufelskreismodell
- Kognitive Umstrukturierung
- Expositionsverfahren in vivo und in sensu
- Achtsamkeit und Atemtechniken
- Bei Bedarf: Schematherapie nach Grawe
- Bei Bedarf: Kombination mit medikamentöser Behandlung in Absprache mit Hausarzt oder Psychiater:in
Praxisteam
Sema Akbunar und Burak Inkaya
Sema Akbunar
Psychologische Psychotherapeutin (approbiert), Verhaltenstherapie
Deutsch, Türkisch, Englisch, Niederländisch
Behandlung in Einzeltherapie und in der gemeinsamen Gruppentherapie. Schwerpunkt Schematherapie nach Grawe. Zertifizierte Supervisorin (DGVT).
Burak Inkaya
Psychologe (M.Sc.) · in Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten (PT2)
Deutsch, Türkisch, Englisch
Erstgespräche und gemeinsame Gruppentherapie unter Supervision. Studium an der Freien Universität Berlin (Klinische und Gesundheitspsychologie). VT-Ausbildung an der Berliner FortbildungsAkademie.
Mehr über die Praxisgemeinschaft, unsere Standorte in Wedding und Mitte sowie unsere Schwerpunkte.
Kosten
Drei Wege zur Kostendeckung
Welcher Kostenpfad zu Ihrer Versicherungssituation passt, klären wir im Vorgespräch.
GKV-Kostenerstattung
Wenn Sie einen freien Therapieplatz mit Kassensitz nicht finden, kann die gesetzliche Kasse die Kosten einer Privatpraxis erstatten. Voraussetzungen: dokumentierte Suche, Dringlichkeitsbescheinigung, Antrag.
Private Krankenversicherung
Erstattung erfolgt nach individuellem Tarif. Wir rechnen nach GOÄ ab.
Selbstzahler
Sitzungen 50 Minuten zum aktuellen Praxishonorar. Kostenklarheit im Erstgespräch.
Detaillierte Anleitung zum Kostenerstattungsverfahren auf der Anlaufstellenübersicht.
Häufige Fragen
Häufig gestellte Fragen zu Angststörungen
Was ist die beste Therapie bei Angststörungen?
Nach S3-Leitlinie der AWMF (Stand 2022) ist Verhaltenstherapie bei den meisten Angststörungen das Verfahren mit der besten Studienlage. Bei mittelschwerer bis schwerer Ausprägung kann eine Kombination mit Medikamenten in Frage kommen. Welches Vorgehen für Sie passt, klären wir im Erstgespräch.
Wie lange dauert eine Behandlung?
Die Behandlung umfasst meist 25 bis 50 Sitzungen über sechs bis 18 Monate. Die genaue Dauer hängt von der Form, dem Schweregrad und Ihren Zielen ab. Eine Verlängerung ist möglich, wenn klinisch begründet.
Kann ich Angststörungen auch ohne Medikamente behandeln?
Ja, in vielen Fällen ist Psychotherapie ohne Medikamente wirksam. Bei schweren Verläufen oder hohem Leidensdruck kann eine medikamentöse Begleitung sinnvoll sein. Diese Entscheidung trifft Ihre Hausärztin oder Psychiater:in, in Absprache mit der Therapie.
Was hilft akut bei einer Panikattacke?
Akut helfen langsame Bauchatmung (vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus), Bodenkontakt spüren, einen festen Gegenstand benennen. Die Attacke geht vorbei, auch wenn das Gefühl eine andere Nachricht sendet. In der Therapie üben wir gemeinsam, mit den frühen Anzeichen umzugehen.
Bieten Sie Sitzungen auf Türkisch an?
Ja. Sema Akbunar führt Therapiesitzungen auf Türkisch, Englisch und Niederländisch. Burak Inkaya spricht Türkisch im Erstgespräch und in der Gruppentherapie. Eine kurze Notiz im Anmeldeformular reicht.
Weitere Anlaufstellen in Berlin finden Sie in unserer Anlaufstellenübersicht.
Bereit für ein Erstgespräch?
Im Vorgespräch erläutern wir Ihnen unser Verfahren und mögliche Wege.