Erkrankung

Burnout und chronische Belastung

Erschöpfung, die nicht mehr weggeht. Der Eindruck, leer zu laufen. Zynismus statt Engagement. Schlaf, der nicht mehr trägt. Burnout ist im Diagnosesystem keine eigene Krankheit, sondern beschreibt eine Konstellation aus chronischer Belastung, Erschöpfung und reduziertem Wirksamkeitsgefühl. Hinter dem Begriff steht oft eine behandelbare Erkrankung. Eine sorgfältige Diagnostik ist deshalb der erste Schritt. Wir behandeln ambulant in Berlin Wedding und Mitte, mehrsprachig und mit klarer Vorgehensweise.

Grundlagen

Was ist Burnout?

Kurz gefasst. Burnout ist im internationalen Diagnosesystem ICD-10 keine eigenständige Diagnose, sondern als Z-Diagnose (Z73.0. Probleme bei der Lebensbewältigung) klassifiziert. Hinter dem Begriff stehen meist behandelbare Erkrankungen wie Depression, Angststörung oder Anpassungsstörung. Im ICD-11 (WHO 2022) ist Burnout als arbeitsbezogenes Phänomen mit drei Dimensionen beschrieben: Erschöpfung, Distanzierung und reduzierte Leistungsfähigkeit. Eine sorgfältige Diagnostik klärt, was zugrunde liegt. Behandlung umfasst Psychotherapie, Veränderungen im Arbeits- oder Lebenskontext und körperliche Stabilisierung.

Burnout ist ein etablierter Begriff in der öffentlichen Sprache, in der medizinischen Klassifikation aber kein eigenes Krankheitsbild im engeren Sinne. Im ICD-10 wird er als Z-Diagnose Z73.0 geführt, also als Faktor mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung. In der ICD-11 (WHO, 2022) wird Burnout als arbeitsbezogenes Phänomen beschrieben mit den drei Dimensionen Erschöpfung, mentale Distanzierung und reduzierte berufliche Wirksamkeit.

Diese Klassifikation ist keine sprachliche Spitzfindigkeit. Sie hat praktische Folgen: Hinter Burnout steckt meist eine behandelbare Erkrankung, häufig eine Depression, eine Angststörung oder eine Anpassungsstörung. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von dieser Klärung ab. Wir nehmen uns für diese Diagnostik im Vorgespräch und in der probatorischen Phase Zeit.

Diagnostik zuerst

Klären, welche Erkrankung hinter dem Erschöpfungsbild liegt. Diese Klärung trägt die spätere Behandlung.

Mehr als Psyche

Schlaf, Ernährung, Bewegung und Erholung sind Behandlungselemente. Psychotherapie allein reicht meist nicht.

Kontext mitdenken

Arbeitsbedingungen, familiäre Belastung, Diskriminierungserfahrungen oder finanzielle Not gehören in die Behandlungsplanung. Sie sind nicht Beifang, sondern Teil des Bilds.

Anzeichen

Wie sich Burnout zeigen kann

Die Anzeichen sind unspezifisch und überschneiden sich mit Depression und Angststörung. Genau deshalb braucht es eine sorgfältige Klärung.

Erschöpfung

tiefe körperliche und emotionale Müdigkeit, die durch Schlaf nicht mehr behoben wird

Distanzierung

innere Distanz zur Arbeit, Zynismus, Reizbarkeit, Rückzug

Wirksamkeit

Eindruck, nichts mehr zu erreichen, Selbstabwertung, Leistungsabfall

Körperlich

Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magendarm-Beschwerden, Muskelverspannungen, Infektanfälligkeit

Kognitiv

Konzentrationsprobleme, Entscheidungsschwierigkeiten, Wortfindungsstörungen

Sozial

Vermeidung von Kontakten, gereizte Konflikte mit Partner:in oder Familie, Einsamkeit

Hinweis: Wenn Schlaflosigkeit, gedrückte Stimmung und Hoffnungslosigkeit über zwei Wochen anhalten, ist es sinnvoll, an eine Depression zu denken. Eine fachliche Diagnostik klärt das.

Hintergründe

Was Burnout begünstigen kann

Burnout entsteht aus dem Zusammenwirken äußerer und innerer Faktoren. Auf der äußeren Seite stehen anhaltende Überlastung, mangelnde Erholungsräume, Konflikte am Arbeitsplatz, fehlende Wertschätzung, Mehrfachbelastung in Familie und Beruf, anhaltende Diskriminierungserfahrungen oder finanzielle Not. Auf der inneren Seite stehen hohe Ansprüche an sich selbst, Schwierigkeit Grenzen zu setzen, frühe Bindungsmuster, in denen Selbstwert an Leistung gekoppelt war und biologische Stressresilienz.

Bei Menschen mit Migrationsgeschichte kommt häufig eine Mehrfachbelastung dazu: anspruchsvolle Berufe, familiäre Verantwortung über mehrere Generationen, Vermittlungsleistungen zwischen Sprachen und Kulturen, plus Erfahrungen mit alltäglicher Diskriminierung, die ihre eigene Energie kostet.

  • Arbeitsbezogen. Überlastung, fehlende Autonomie, Konflikte, fehlende Anerkennung
  • Familiär. Carearbeit, Kinderbetreuung, Angehörigenpflege, Beziehungskonflikte
  • Persönlich. Perfektionismus, schwer Grenzen setzen, Selbstwert an Leistung gekoppelt
  • Gesellschaftlich. anhaltende Diskriminierung, prekäre Lebensumstände, gesellschaftliche Krisen

Indikation

Wann eine Behandlung sinnvoll ist

Erschöpfung ist nicht gleich Krankheit. Wenn sich Erholung über Wochen nicht einstellt, oder wenn körperliche und psychische Symptome über zwei Wochen andauern, ist eine fachliche Klärung sinnvoll. Hausärztin oder Psychotherapeut sind erste Adressen. In manchen Fällen ist eine längere Auszeit notwendig, in anderen geht es um konkrete Veränderungen im Alltag.

  • Erschöpfung über mehrere Wochen, die durch Erholung nicht besser wird
  • Schlafstörungen, die den Alltag spürbar einschränken
  • Stimmungsabfall, Hoffnungslosigkeit, Selbstabwertung
  • Körperliche Beschwerden ohne klare organische Ursache
  • Vermeidung von Arbeit, sozialen Kontakten oder Aktivitäten, die früher Freude gemacht haben
  • Suizidgedanken oder Selbstgefährdungsimpulse

Burnout ist keine eigenständige Diagnose. Im ICD-10/ICD-11 als Z-Diagnose (Z73.0) klassifiziert. Behandelt wird in der Regel die zugrundeliegende Erkrankung (Depression, Angststörung, Anpassungsstörung). Eine sorgfältige Diagnostik ist wichtig.

Bei Suizidgedanken oder akuter Selbstgefährdung wenden Sie sich bitte an den Notruf 112, den Berliner Krisendienst (030 390 63-00) oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222). Diese Seite ist Information, kein Diagnose- oder Behandlungsersatz.

Diese Seite ist Teil unserer Übersicht Erkrankungen. Eine ärztliche Diagnostik ist in jedem Fall sinnvoll.

Behandlung

Behandlung in unserer Praxis

Die Behandlung beginnt mit einer sorgfältigen Diagnostik im Vorgespräch und in der probatorischen Phase. Steht eine Depression im Vordergrund, behandeln wir nach den S3-Leitlinien zur Depression. Bei Angststörung, Anpassungsstörung oder posttraumatischer Belastung folgen wir den entsprechenden Leitlinien. Wir behandeln verhaltenstherapeutisch und integrieren bei Bedarf schemathérapeutische Elemente.

In den Sitzungen geht es um die akuten Symptome, um die Bedingungen, unter denen sie entstanden sind und um konkrete Veränderungen. Schlaf, Bewegung, Ernährung sind Gesprächsthema, weil sie Behandlungselemente sind. Wenn der Arbeitskontext eine zentrale Rolle spielt, gehört das in die Therapie. Bei Bedarf vermitteln wir an Sozialberatung oder ärztliche Mit-Behandlung. Sitzungen auf Deutsch, Türkisch, Englisch oder Niederländisch.

  • Diagnostische Klärung (Depression, Angst, Anpassung, PTBS)
  • Psychoedukation zu Stress, Erschöpfung, Erholung
  • Verhaltensaktivierung und Tagesstruktur
  • Kognitive Umstrukturierung bei Selbstabwertung und Perfektionismus
  • Achtsamkeit, Schlafhygiene, körperliche Stabilisierung
  • Bei Bedarf Schematherapie nach Grawe
  • Bei Bedarf Vermittlung an Hausarzt, Psychiater:in, Reha, Sozialberatung

Praxisteam

Sema Akbunar und Burak Inkaya

Sema Akbunar

Psychologische Psychotherapeutin (approbiert), Verhaltenstherapie

Deutsch, Türkisch, Englisch, Niederländisch

Behandlung in Einzeltherapie und in der gemeinsamen Gruppentherapie. Schwerpunkt Schematherapie nach Grawe. Zertifizierte Supervisorin (DGVT).

Burak Inkaya

Psychologe (M.Sc.) · in Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten (PT2)

Deutsch, Türkisch, Englisch

Erstgespräche und gemeinsame Gruppentherapie unter Supervision. Studium an der Freien Universität Berlin (Klinische und Gesundheitspsychologie). VT-Ausbildung an der Berliner FortbildungsAkademie.

Mehr über die Praxisgemeinschaft, unsere Standorte in Wedding und Mitte sowie unsere Schwerpunkte.

Kosten

Drei Wege zur Kostendeckung

Bei einer behandlungsbedürftigen Erkrankung hinter dem Burnoutbild ist die Indikation für Psychotherapie meist gegeben.

GKV-Kostenerstattung

Bei dokumentierter Suche und Dringlichkeit. Eigenständige psychotherapeutische Indikation Voraussetzung.

Private Krankenversicherung

Erstattung nach Tarif, Abrechnung GOÄ.

Selbstzahler

50 Minuten zum aktuellen Praxishonorar.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Burnout

Was ist die beste Behandlung bei Burnout?

Es gibt nicht die eine Behandlung, weil hinter Burnout meist eine andere Erkrankung steht. Die Behandlung folgt den S3-Leitlinien zu der zugrundeliegenden Diagnose, oft Depression oder Angststörung. Verhaltenstherapie ist gut untersucht. Begleitend sind Schlaf, Bewegung, Ernährung und Veränderungen im Lebenskontext relevant.

Wie lange dauert die Auszeit bei Burnout?

Es gibt keinen Standard. Die Dauer hängt von Schwere, Diagnose und Lebensumständen ab. Eine Krankschreibung wird durch die Hausärztin oder Fachärztin ausgestellt, in der Regel zunächst für ein bis zwei Wochen, mit Verlängerung wenn sinnvoll. Die psychotherapeutische Behandlung umfasst meist 25 bis 50 Sitzungen über sechs bis 18 Monate.

Was macht der Hausarzt bei Burnout?

Die Hausärztin klärt körperliche Ursachen ab (Schilddrüse, Eisen, Vitamine, andere Erkrankungen), schreibt bei Bedarf krank, leitet eine erste medikamentöse Behandlung ein oder verweist an Fachärzt:in oder Psychotherapeut:in. Sie ist meist die erste sinnvolle Anlaufstelle.

Was ist der Unterschied zwischen Burnout und Depression?

Beides überschneidet sich. Burnout ist als Z-Diagnose und arbeitsbezogenes Phänomen klassifiziert. Depression ist eine eigenständige Erkrankung. Praktisch bedeutet das: Hinter Burnoutsymptomen steht häufig eine Depression. Eine fachliche Diagnostik klärt, was vorliegt und welche Behandlung passt.

Bieten Sie auch Beratung für Unternehmen oder Teams an?

Supervision für Teams im psychosozialen Bereich bieten wir an, ergänzend zu Einzeltherapie. Workshopformate für Unternehmen liegen außerhalb der Praxis und sind in der IKPD-Akademie verortet.

Weitere Anlaufstellen in Berlin finden Sie in unserer Anlaufstellenübersicht.

Klärung im Vorgespräch

Wir nehmen uns Zeit, im Erstgespräch zu klären, was hinter Ihrer Erschöpfung liegt. Daraus leiten wir gemeinsam ab, ob eine Behandlung in unserer Praxis passend ist.