Lebensthema

Diskriminierungserfahrungen, therapeutische Begleitung

Diskriminierung hinterlässt Spuren. Sie wirkt im Körper, im Selbstbild, in Beziehungen und in der Art, wie wir uns in der Welt bewegen. Anhaltende Diskriminierung gilt als chronischer Stressor mit messbaren psychischen und körperlichen Folgen. In unserer Praxis arbeiten wir rassismuskritisch und kultursensibel, in Einzeltherapie an unseren Standorten in Berlin Wedding und Mitte. Eine gemeinsame rassismuskritische Gruppentherapie hat begonnen. Ihr kostenloses, telefonisches Vorgespräch können Sie ab sofort online buchen.

Grundlagen

Was Diskriminierungserfahrungen sind

Kurz gefasst. Diskriminierungserfahrungen sind Erlebnisse, in denen Menschen aufgrund von Merkmalen wie Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderung schlechter behandelt werden. Sie reichen von subtilen Mikroaggressionen bis zu Gewalt. Anhaltende Diskriminierung wirkt als chronischer Stressor und kann psychische Symptome, körperliche Beschwerden und traumatische Reaktionen auslösen. Wir bieten therapeutische Begleitung in Einzelarbeit und in einer rassismuskritischen Gruppentherapie. Bei akuter Bedrohung oder Gewalt wenden Sie sich bitte zuerst an Polizei (110), Beratungsstellen für Betroffene oder Schutzeinrichtungen.

Diskriminierung ist eine ungleiche Behandlung von Menschen aufgrund zugeschriebener Merkmale. Sie kann individuell, institutionell oder strukturell wirken. Sie zeigt sich in Worten, Handlungen, Strukturen, in dem was nicht gesagt oder gesehen wird. Mikroaggressionen sind kleine, oft beiläufig wirkende Bemerkungen oder Handlungen, die zusammen genommen eine spürbare Last bilden. Strukturelle Diskriminierung wirkt durch Regeln, Praktiken und Institutionen, die manche Gruppen systematisch benachteiligen.

Studien wie der NaDiRa-Rassismusmonitor des DeZIM-Instituts oder die FRA-Erhebungen der EU dokumentieren das Ausmaß. Die psychischen Folgen reichen von erhöhtem Stresserleben über Depression und Angststörung bis zu posttraumatischer Belastung. Die Forschung zu Race-Based Traumatic Stress beschreibt diese Folgen seit den 1990er Jahren.

Ernst nehmen, nicht relativieren

In der Therapie geht es nicht darum, zu prüfen, ob eine Erfahrung wirklich Diskriminierung war. Es geht darum, was sie mit der betroffenen Person macht.

Spaltung sichtbar machen

Diskriminierung erzeugt oft inneren Konflikt zwischen so darf ich nicht denken und so geht es mir wirklich. Diese Spaltung gehört in den Therapieraum.

Grundhaltung der Praxis

Wir arbeiten rassismuskritisch und kultursensibel. Die kulturelle Sensibilität liegt bei der Praxis, nicht beim Anliegen der Klient:innen.

Anzeichen

Welche Folgen Diskriminierung haben kann

Reaktionen sind individuell. Manche Menschen entwickeln Symptome erst Jahre nach den Erfahrungen, manche zeigen direkt eine Belastungsreaktion.

Körperlich

Schlafstörungen, Anspannung, Kopfschmerzen, Magendarm-Beschwerden, höheres Risiko für Bluthochdruck und Herzkreislauf-Erkrankungen

Affektiv

Wut, Trauer, Scham, Angst, Hoffnungslosigkeit, anhaltende Anspannung

Selbstbild

innerer Selbstzweifel, Selbst-Stigma, Eindruck nicht dazuzugehören

Beziehungen

Misstrauen, Rückzug, Konflikte, Vermeidung von Räumen oder Gruppen

Traumareaktionen

Wiedererleben, Vermeidung, Übererregung, vergleichbar mit posttraumatischer Belastung

Sekundärbelastung

Erschöpfung durch das wiederholte Erklären, Beweisen, Nicht-gehört-werden

Hintergründe

Warum Diskriminierung psychisch wirkt

Diskriminierung wirkt auf mehrere Weisen psychisch. Erstens als chronischer Stressor: anhaltend erhöhter Cortisolspiegel, Schlafmangel, Übererregung. Zweitens als Traumaauslöser: einzelne schwere Vorfälle oder die Summe vieler kleiner Ereignisse können traumatische Reaktionen hervorrufen. Drittens als Identitätsstressor: das Selbstbild ist davon betroffen, wie andere uns sehen oder nicht sehen. Viertens als sozialer Stressor: Diskriminierung trifft selten allein. Wer sie erlebt, erlebt oft auch fehlende Anerkennung dessen.

Bei Menschen mit Migrationsgeschichte können sich Erfahrungen über Generationen verdichten. Was die Eltern erlebt und nicht aussprechen konnten, kann in der nächsten Generation als unbenannte Last weiterwirken.

  • Chronischer Stress mit körperlichen und psychischen Folgen
  • Race-Based Traumatic Stress, einzeln oder als Summe von Mikroaggressionen
  • Identitätskonflikt und inneres Selbst-Stigma
  • Fehlende Anerkennung der Erfahrung im Umfeld als zusätzliche Belastung
  • Transgenerationale Weitergabe in Familien mit Migrationsgeschichte

Indikation

Wann eine Therapie sinnvoll sein kann

Nicht jede Diskriminierungserfahrung braucht Therapie. Was zählt, ist nicht die objektive Schwere des Vorfalls, sondern was mit Ihnen passiert. Wenn Symptome anhalten, das Leben einschränken oder Sie das Gefühl haben, allein damit nicht weiterzukommen, kann therapeutische Begleitung hilfreich sein.

  • Anhaltende Anspannung, Schlafstörungen, Erschöpfung über mehrere Wochen
  • Wiedererleben einzelner Vorfälle in Form von Flashbacks oder Albträumen
  • Vermeidung wichtiger Orte oder Räume
  • Selbstabwertung oder anhaltende Wut, die das Leben einschränkt
  • Beziehungskonflikte, in denen Diskriminierungserfahrungen eine Rolle spielen
  • Suizidgedanken oder Selbstgefährdungsimpulse

Bei akuter Bedrohung oder Gewalt wenden Sie sich bitte zuerst an die Polizei (110), spezialisierte Beratungsstellen für Betroffene rassistischer Gewalt (z.B. ReachOut Berlin, Opferperspektive) oder Schutzeinrichtungen. Therapie ist sinnvoll bei stabilisierten Verläufen oder als Begleitung neben weiteren Schritten.

Bei Suizidgedanken oder akuter Selbstgefährdung wenden Sie sich bitte an den Notruf 112, den Berliner Krisendienst (030 390 63-00) oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222). Diese Seite ist Information, kein Diagnose- oder Behandlungsersatz.

Arbeitsweise

Wie wir damit in unserer Praxis arbeiten

Wir arbeiten rassismuskritisch und kultursensibel. Das bedeutet: Wir schauen uns an, was passiert ist und was es mit Ihnen gemacht hat, ohne diese Erfahrungen zu relativieren oder Ihnen die Last des Beweises aufzubürden. Wir nutzen verhaltenstherapeutische Verfahren, schemathérapeutische Elemente und, wenn traumatische Reaktionen im Vordergrund stehen, traumafokussierte Methoden.

In der gemeinsamen rassismuskritischen Gruppentherapie arbeiten Sema Akbunar und Burak Inkaya zusammen. Die Gruppe ist ein Raum für BIPoC und Menschen mit anderen Diskriminierungserfahrungen. Sie bietet das, was Einzeltherapie nicht bieten kann: das Erleben, mit der eigenen Erfahrung nicht allein zu sein. Sitzungen auf Deutsch, Türkisch, Englisch oder Niederländisch.

  • Diagnostische Klärung im Einzelvorgespräch
  • Ressourcen- und Stabilisierungsarbeit
  • Bei traumatischen Reaktionen traumafokussierte Methoden
  • Schematherapie bei früh erworbenen Selbstbildmustern
  • Rassismuskritische Gruppentherapie als ergänzender oder eigenständiger Weg
  • Bei Bedarf Vermittlung an spezialisierte Beratungsstellen oder rechtliche Unterstützung

Praxisteam

Sema Akbunar und Burak Inkaya

Sema Akbunar

Psychologische Psychotherapeutin (approbiert), Verhaltenstherapie

Deutsch, Türkisch, Englisch, Niederländisch

Behandlung in Einzeltherapie und in der gemeinsamen Gruppentherapie. Schwerpunkt Schematherapie nach Grawe. Zertifizierte Supervisorin (DGVT).

Burak Inkaya

Psychologe (M.Sc.) · in Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten (PT2)

Deutsch, Türkisch, Englisch

Erstgespräche und gemeinsame Gruppentherapie unter Supervision. Studium an der Freien Universität Berlin (Klinische und Gesundheitspsychologie). VT-Ausbildung an der Berliner FortbildungsAkademie.

Mehr über die Praxisgemeinschaft, unsere Standorte in Wedding und Mitte sowie unsere Schwerpunkte.

Kosten

Drei Wege zur Kostendeckung

Welcher Kostenpfad zu Ihrer Situation passt, klären wir im Vorgespräch.

GKV-Kostenerstattung

Bei Indikation für Einzeltherapie. Voraussetzungen klären wir im Vorgespräch.

Private Krankenversicherung

Erstattung nach Tarif, Abrechnung GOÄ.

Selbstzahler

50 Minuten zum aktuellen Praxishonorar.

Gruppentherapie ist als Kassenleistung möglich. Voraussetzungen klären wir im Vorgespräch.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Was sind Diskriminierungserfahrungen?

Diskriminierungserfahrungen sind Erlebnisse, in denen Menschen aufgrund zugeschriebener Merkmale wie Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderung schlechter behandelt werden. Sie reichen von Mikroaggressionen über strukturelle Ungleichbehandlung bis zu Gewalt.

Welche psychischen Folgen kann Diskriminierung haben?

Anhaltende Diskriminierung wirkt als chronischer Stressor. Die Folgen reichen von erhöhter Anspannung, Schlafstörungen und körperlichen Beschwerden über Depression und Angststörung bis zu posttraumatischer Belastung. Race-Based Traumatic Stress beschreibt diese spezifische Form seit den 1990er Jahren.

Wer ist die Zielgruppe Ihrer rassismuskritischen Gruppentherapie?

Die Gruppe richtet sich an BIPoC und Menschen mit anderen Diskriminierungserfahrungen. Vorgespräche klären gemeinsam, ob die Gruppe für Sie passt. Sema Akbunar und Burak Inkaya leiten gemeinsam.

Muss ich erklären oder beweisen, was passiert ist?

Nein. In der Therapie geht es nicht darum, eine Erfahrung zu prüfen oder zu relativieren. Es geht darum, was sie mit Ihnen macht. Wir nehmen ernst, was Sie schildern.

Was unterscheidet rassismuskritische von kultursensibler Arbeit?

Kultursensible Arbeit nimmt kulturelle Hintergründe ernst und arbeitet mit ihnen. Rassismuskritische Arbeit geht weiter: Sie nimmt das Wirken von Rassismus und anderen Diskriminierungsformen als gesellschaftlichen und psychischen Faktor ernst und benennt ihn. In unserer Praxis verbinden wir beides.

Weitere Anlaufstellen in Berlin finden Sie in unserer Anlaufstellenübersicht.

Bereit für ein Erstgespräch?

Im Vorgespräch klären wir, welche Form der Begleitung passend ist: Einzeltherapie, rassismuskritische Gruppentherapie oder eine Kombination. Wir nehmen uns Zeit.