Erkrankung

Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen verstehen

Suchterkrankungen entwickeln sich oft langsam und sind selten allein das Problem. Häufig liegen Depression, Angst, Trauma oder anhaltende Belastung darunter. Suchtbehandlung im engeren Sinne, also Entzug und qualifizierte Entgiftung, gehört in Suchtkliniken und Suchtberatungsstellen. In unserer Praxis begleiten wir die psychische Seite. Wir behandeln Begleiterkrankungen, unterstützen die Auseinandersetzung mit Lebensthemen und arbeiten mit der Frage, was aus der Sucht herausführen kann.

Grundlagen

Was ist eine Suchterkrankung?

Kurz gefasst. Sucht bezeichnet eine Erkrankung, bei der das Verlangen nach einer Substanz oder einem Verhalten so stark wird, dass es das Leben einschränkt und zur Schädigung führt. Man unterscheidet stoffgebundene Süchte (Alkohol, Tabak, Medikamente, illegale Drogen) und Verhaltenssüchte (Glücksspiel, digitale Medien). Behandlung erfolgt mehrstufig. Entgiftung und Entzugsbehandlung gehören in Suchtkliniken. Begleitende Psychotherapie ist ein Baustein. Bei Komorbiditäten wie Depression, Angst oder Trauma kann ambulante Psychotherapie sinnvoll sein, parallel oder im Anschluss an eine Suchtbehandlung.

Im internationalen Diagnosesystem ICD-10 ist Abhängigkeit durch sechs Kriterien definiert. Drei davon müssen über mindestens einen Monat oder wiederholt im letzten Jahr vorliegen: starkes Verlangen, Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, Entzugssymptome, Vernachlässigung anderer Lebensbereiche, fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen. Eine Diagnose stellt eine ärztliche oder psychotherapeutische Fachkraft.

Sucht ist eine Erkrankung, kein Charakterfehler. Sie hat neurobiologische, psychologische und soziale Komponenten. Aus der Sucht herauszukommen ist möglich. Es ist meist ein langer Weg mit Rückschlägen, der Geduld und mehrere Schritte braucht.

Klare Rollentrennung

Wir behandeln in der Praxis nicht den körperlichen Entzug. Dafür gibt es spezialisierte Suchtkliniken. Wir begleiten die psychische Seite.

Komorbidität ernst nehmen

Depression, Angst und Trauma sind häufige Begleiterkrankungen. Sie brauchen eigene Aufmerksamkeit, parallel oder im Anschluss an die Suchtbehandlung.

Selbstwirksamkeit stärken

Ressourcen, Werte und konkrete Handlungsoptionen werden in der Therapie aufgebaut, ohne moralische Bewertung.

Anzeichen

Wie sich eine Sucht zeigen kann

Suchterkrankungen zeigen sich unterschiedlich, je nach Substanz oder Verhalten. Allen gemeinsam ist eine zunehmende Einengung auf das Suchtmittel und eine Vernachlässigung anderer Bereiche.

Alkoholabhängigkeit

Kontrollverlust, Toleranzsteigerung, Entzugssymptome (Zittern, Schwitzen, Schlafstörungen), Konsum trotz negativer Folgen

Medikamentenabhängigkeit

wachsende Dosen, Rezepthopping, Heimlichkeit, körperliche Entzugssymptome bei Absetzen

Drogenabhängigkeit

Beschaffungsdruck, Rückzug aus sozialen Bezügen, finanzielle und gesundheitliche Folgen

Glücksspielsucht

wachsender Einsatz, Verluste verheimlicht, Verlustjagen, Lügen über das Spielverhalten

Digitale Medien

exzessive Nutzung, Vernachlässigung von Schlaf und Beziehungen, Reizbarkeit bei Verzicht

Co-Konsum

Kombination mehrerer Substanzen oder Verhalten, oft als Selbstmedikation

Hintergründe

Wie Sucht entstehen kann

Sucht entsteht im Zusammenspiel von Veranlagung, Lerngeschichte und Lebensumständen. Suchtmittel oder bestimmte Verhaltensweisen werden oft als Versuch genutzt, mit etwas Schwierigem umzugehen. Anhaltende Belastung, ungelöste Trauer, traumatische Erfahrungen oder anhaltende Diskriminierung können Risikofaktoren sein. Dieses Verständnis ersetzt keine Verantwortung für das eigene Tun, es eröffnet aber andere Wege.

  • Biologisch. familiäre Häufung, Stoffwechselbesonderheiten
  • Psychologisch. Selbstmedikation bei Depression, Angst oder Trauma; Bewältigungsstrategie für Stress
  • Sozial. Verfügbarkeit, Peergruppeneinfluss, Arbeitsplatzkultur, anhaltender Stress
  • Auslöser. Lebenskrisen, Verluste, Übergänge, körperliche Erkrankungen mit Schmerzbehandlung

Indikation

Welcher Weg wann passt

Der erste Schritt ist meistens nicht eine Praxis wie unsere, sondern eine Suchtberatungsstelle. Sie sind kostenfrei, niederschwellig und auf Suchterkrankungen spezialisiert. Sie klären, was im konkreten Fall der nächste Schritt ist. Bei körperlicher Abhängigkeit wird in der Regel eine ärztlich überwachte Entgiftung vorgeschlagen, gefolgt von einer Entwöhnungsbehandlung.

  • Sie haben eine Suchtbehandlung abgeschlossen und suchen ambulante Nachsorge
  • Sie sind in stabiler Abstinenz und brauchen Begleitung für eine Begleiterkrankung (Depression, Angst, Trauma)
  • Sie haben bereits eine Suchtberatung kontaktiert und möchten parallel psychotherapeutisch arbeiten
  • Sie wollen die psychische Seite einer noch nicht akuten Suchtthematik klären

Suchtbehandlung im engeren Sinne erfolgt primär in spezialisierten Suchtkliniken und Suchtberatungsstellen. Wir behandeln in der Praxis psychische Begleiterkrankungen und unterstützen die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgestaltung. Anlaufstellen für Suchtberatung in Berlin: Berliner Suchthilfe, Vista gGmbH, Caritas-Suchtberatung, BZgA-Sucht-und-Drogenhotline (01806 313 031).

Bei akuter Krise oder Suizidgedanken wenden Sie sich bitte an den Notruf 112, den Berliner Krisendienst (030 390 63-00) oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222). Diese Seite ist Information, kein Diagnose- oder Behandlungsersatz.

Diese Seite ist Teil unserer Übersicht Erkrankungen. Eine ärztliche Diagnostik ist in jedem Fall sinnvoll.

Begleitung

Psychotherapeutische Begleitung in unserer Praxis

Wenn die akute Phase einer Suchterkrankung in einer spezialisierten Einrichtung adressiert wurde, kann ambulante Psychotherapie ein wichtiger nächster Schritt sein. Wir arbeiten verhaltenstherapeutisch nach den S3-Leitlinien der jeweiligen Begleiterkrankungen, mit klarem Fokus auf das, was aus der Sucht herausführen oder Rückfälle verhindern kann.

In den Sitzungen geht es um die Bedingungen unter denen Konsum oder Suchtverhalten entstanden ist, um die Funktion die das Suchtmittel oder das Verhalten erfüllt hat und um neue Wege im Umgang mit Anspannung, Trauer, Wut oder Einsamkeit. Wenn Diskriminierungserfahrungen oder eine Migrationsgeschichte eine Rolle spielen, beziehen wir das ein. Sitzungen auf Deutsch, Türkisch, Englisch oder Niederländisch.

  • Funktionsanalyse des Suchtverhaltens
  • Behandlung der Begleiterkrankung (Depression, Angst, Trauma, Burnout)
  • Rückfallprophylaxe nach Marlatt
  • Ressourcen- und Wertearbeit
  • Bei Bedarf Vermittlung an Suchtberatung, Suchtklinik, Selbsthilfegruppe

Praxisteam

Sema Akbunar und Burak Inkaya

Sema Akbunar

Psychologische Psychotherapeutin (approbiert), Verhaltenstherapie

Deutsch, Türkisch, Englisch, Niederländisch

Behandlung in Einzeltherapie und in der gemeinsamen Gruppentherapie. Schwerpunkt Schematherapie nach Grawe. Zertifizierte Supervisorin (DGVT).

Burak Inkaya

Psychologe (M.Sc.) · in Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten (PT2)

Deutsch, Türkisch, Englisch

Erstgespräche und gemeinsame Gruppentherapie unter Supervision. Studium an der Freien Universität Berlin (Klinische und Gesundheitspsychologie). VT-Ausbildung an der Berliner FortbildungsAkademie.

Mehr über die Praxisgemeinschaft, unsere Standorte in Wedding und Mitte sowie unsere Schwerpunkte.

Kosten

Drei Wege zur Kostendeckung

Bei einer behandlungsbedürftigen Begleiterkrankung ist die Indikation für Psychotherapie meist gegeben.

GKV-Kostenerstattung

Bei dokumentierter Suche und Dringlichkeit. Voraussetzung ist eine eigenständige psychotherapeutische Indikation.

Private Krankenversicherung

Erstattung nach Tarif. Abrechnung GOÄ.

Selbstzahler

50 Minuten zum aktuellen Honorar.

Suchtberatungsstellen sind kostenfrei. Rehamaßnahmen werden über die Rentenversicherung beantragt.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Sucht und Abhängigkeit

Welche Suchterkrankungen gibt es?

Man unterscheidet stoffgebundene Süchte (Alkohol, Tabak, Medikamente, illegale Drogen) und Verhaltenssüchte (Glücksspiel, digitale Medien, Kaufen, Essen). Im ICD-10 sind sie in F1 (Substanz-bezogen) und F63 (Impulskontrollstörungen) klassifiziert.

Wann gilt man als suchtkrank?

Nach ICD-10 liegt eine Abhängigkeit vor, wenn drei der folgenden sechs Kriterien über einen Monat oder wiederholt im letzten Jahr erfüllt sind: starkes Verlangen, Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, körperliche Entzugssymptome, Vernachlässigung anderer Lebensbereiche, fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen.

Behandeln Sie auch akute Suchtprobleme in der Praxis?

Nein. Akute Entgiftung und qualifizierte Entzugsbehandlung gehören in spezialisierte Suchtkliniken. Wir begleiten die psychische Seite. Bei einem aktuellen, körperlich abhängigen Konsum vermitteln wir an Suchtberatung oder Suchtklinik.

Was bedeutet Komorbidität bei Sucht?

Sehr viele Menschen mit Suchterkrankung haben gleichzeitig eine Depression, eine Angststörung oder eine posttraumatische Belastung. Diese Begleiterkrankungen brauchen eigene Behandlung, oft parallel zur Suchtbehandlung. Genau dort liegt unser Schwerpunkt.

Wo finde ich kurzfristig Hilfe?

Berliner Suchthilfe, Vista gGmbH, Caritas-Suchtberatung sind kostenfreie und niederschwellige Anlaufstellen. Telefonisch erreichbar ist die BZgA-Sucht-und-Drogenhotline unter 01806 313 031.

Weitere Anlaufstellen in Berlin finden Sie in unserer Anlaufstellenübersicht.

Bereit für ein Erstgespräch?

Wenn Sie überlegen, ob eine ambulante psychotherapeutische Begleitung passend ist, klären wir das gern in einem Vorgespräch. Wir sind realistisch und ehrlich darüber, was in unserem Rahmen möglich ist und wann eine andere Adresse die bessere ist.