Erkrankung

Trauma und PTBS, Therapie in Berlin

Ein traumatisches Ereignis kann seine Spuren auch lange danach hinterlassen. Albträume, Flashbacks, anhaltende Wachsamkeit oder das Gefühl, abgespalten zu sein, sind keine Schwäche, sondern Reaktionen eines belasteten Nervensystems. Verhaltenstherapie nach den S3-Leitlinien ist ein gut untersuchtes Verfahren bei posttraumatischer Belastungsstörung. Wir begleiten Erwachsene mit stabilisierten Verläufen ambulant, mehrsprachig und kultursensibel an unseren Standorten in Berlin Wedding und Mitte.

Grundlagen

Was ist ein Trauma und was ist PTBS?

Kurz gefasst. Ein Trauma entsteht, wenn ein Ereignis die normale Verarbeitungsfähigkeit überfordert. Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zeigt sich durch Wiedererleben, Vermeidung, Übererregung und negative Veränderungen von Stimmung und Selbstbild. Eine ambulante Therapie ist sinnvoll, wenn der Verlauf stabilisiert ist. Bei akuter Krise oder anhaltenden Flashbacks ist eine spezialisierte Traumaambulanz die richtige Adresse. In Berlin u. a. Charité Traumaambulanz, Zentrum ÜBERLEBEN, Refugio Berlin. In unserer Praxis arbeiten wir verhaltenstherapeutisch in Einzeltherapie und in der gemeinsamen Gruppentherapie.

Trauma bezeichnet die Folge eines überwältigenden Ereignisses. Krieg, Flucht, Gewalt, sexuelle Übergriffe, Unfälle, schwere Erkrankungen oder das Miterleben solcher Ereignisse können traumatisch wirken. Auch wiederholte und kumulative Belastungen, etwa anhaltende Diskriminierung oder Vernachlässigung in der Kindheit, können traumatische Folgen haben. Im internationalen Diagnosesystem ICD-11 wurde die komplexe posttraumatische Belastungsstörung als eigenes Krankheitsbild aufgenommen.

Die posttraumatische Belastungsstörung beschreibt eine länger anhaltende Symptomkonstellation nach einem traumatischen Ereignis. Die Diagnose stellt eine spezialisierte Fachkraft. Sie ist behandelbar.

Stabilisierung zuerst

Bevor traumatische Inhalte bearbeitet werden, geht es um Sicherheit, Ressourcen, Affektregulation. Diese Phase wird nie übersprungen.

Bearbeitung mit Methodik

Trauma-fokussierte Verfahren wie traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie sind nach S3-Leitlinie evidenzbasiert.

Integration und Sinnfindung

Im letzten Schritt geht es um Wiederaufnahme des Lebens, neue Bezugspunkte und persönlichen Umgang mit dem Erlebten.

Anzeichen

Wie sich PTBS zeigen kann

Die Symptome lassen sich in vier Hauptcluster gliedern. Sie können einzeln oder gemeinsam auftreten und über Wochen, Monate oder Jahre andauern.

Wiedererleben

Flashbacks, Albträume, eindringliche Bilder, körperliches Wiedererleben

Vermeidung

Meidung von Orten, Personen, Gesprächen, die ans Trauma erinnern

Übererregung

Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, anhaltende Wachsamkeit

Negative Veränderung

gedrückte Stimmung, Schuldgefühle, Selbstabwertung, sozialer Rückzug, Gefühl der Entfremdung

Komplexe PTBS

zusätzlich Probleme mit Affektregulation, Selbstbild, Beziehungen, typisch nach langanhaltenden, wiederkehrenden Traumata

Dissoziation

Gefühl, neben sich zu stehen, Erinnerungslücken, Taubheit; bei einem Teil der Betroffenen ausgeprägt

Hintergründe

Was Trauma auslösen und aufrechterhalten kann

Ob ein Ereignis traumatische Folgen hat, hängt nicht nur von seiner objektiven Schwere ab. Bedeutsam sind Vorbelastungen, soziale Ressourcen, biologische Verletzlichkeit, das Alter zum Zeitpunkt des Ereignisses und die Verarbeitungsmöglichkeit danach. Bei Menschen mit Migrationsgeschichte können Krieg, Flucht, Gewalt oder Diskriminierung im Herkunfts- oder Aufnahmeland zusammenwirken. Diskriminierungserfahrungen wirken als chronische Stressoren und können traumatische Reaktionen auslösen oder verstärken. Wir nehmen diese Wirklichkeit ernst und beziehen sie in die Behandlung ein, ohne Klient:innen darauf zu reduzieren.

  • Akute Traumata wie Unfälle, Übergriffe, Gewalt, plötzliche Verluste
  • Komplexe Traumata wie wiederholte Gewalt, Vernachlässigung, anhaltende Diskriminierung
  • Sekundäre Traumata durch das Miterleben oder Begleiten Betroffener
  • Aufrechterhaltende Faktoren wie fehlende soziale Unterstützung, gesellschaftliche Stigmatisierung, ungesicherter Aufenthaltsstatus, finanzielle Notlage

Indikation

Wann eine Traumatherapie sinnvoll ist

Nicht jede belastende Erfahrung führt zu PTBS und nicht jede Reaktion braucht Therapie. Akute Stressreaktionen klingen bei den meisten Menschen innerhalb weniger Wochen ab. Wenn Symptome über vier Wochen anhalten, sich verschlechtern oder Sie das Leben deutlich einschränken, ist eine fachliche Einschätzung sinnvoll.

  • Wiederkehrende Flashbacks oder Albträume über Wochen oder Monate
  • Anhaltende Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit
  • Vermeidung wichtiger Lebensbereiche
  • Substanzkonsum als Selbstmedikation
  • Suizidgedanken oder Selbstverletzungsimpulse

Bei akuter Re-Traumatisierung oder anhaltenden Flashbacks ist eine engmaschige Anbindung an spezialisierte Traumaambulanzen sinnvoll. In Berlin u. a. Charité Traumaambulanz, Zentrum ÜBERLEBEN, Refugio Berlin. Eine ambulante Begleitung in unserer Praxis ist sinnvoll bei stabilisierten Verläufen oder als Vorbereitung und Nachsorge zu intensiveren Angeboten.

Bei Suizidgedanken oder akuter Selbstgefährdung wenden Sie sich bitte an den Notruf 112, den Berliner Krisendienst (030 390 63-00) oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222). Diese Seite ist Information, kein Diagnose- oder Behandlungsersatz.

Diese Seite ist Teil unserer Übersicht Erkrankungen. Eine ärztliche Diagnostik ist in jedem Fall sinnvoll.

Behandlung

Verhaltenstherapie bei posttraumatischer Belastung

Wir arbeiten verhaltenstherapeutisch nach den S3-Leitlinien zur posttraumatischen Belastungsstörung. Die Behandlung folgt dem klassischen Dreiphasen-Modell: Stabilisierung, Traumakonfrontation, Integration. In der Stabilisierungsphase stehen Sicherheit, Ressourcen und Affektregulation im Vordergrund. Die Konfrontationsphase wird nur dann eingeleitet, wenn ausreichende Stabilität gegeben ist. Im letzten Schritt geht es um Sinnfindung und die Wiederaufnahme des Lebens.

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist als Kassenleistung bei PTBS anerkannt. In unserer Praxis bieten wir EMDR aktuell nicht an. Wir arbeiten mit traumafokussierter kognitiver Verhaltenstherapie und schemathérapeutischen Elementen, wenn frühe Bindungserfahrungen im Vordergrund stehen. Wenn EMDR für Sie passend wäre, vermitteln wir gerne weiter. Sitzungen sind auf Deutsch, Türkisch, Englisch oder Niederländisch möglich.

  • Phase 1, Stabilisierung. Sicherheit, Psychoedukation, Affektregulationsübungen, Ressourcenaktivierung
  • Phase 2, Bearbeitung. Traumakonfrontation in einem klar strukturierten Rahmen, traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie, kognitive Umstrukturierung
  • Phase 3, Integration. Sinnfindung, neue Bezugspunkte, Trauerarbeit, Wiederaufnahme von Beziehungen und Aktivitäten

Praxisteam

Sema Akbunar und Burak Inkaya

Sema Akbunar

Psychologische Psychotherapeutin (approbiert), Verhaltenstherapie

Deutsch, Türkisch, Englisch, Niederländisch

Behandlung in Einzeltherapie und in der gemeinsamen Gruppentherapie. Schwerpunkt Schematherapie nach Grawe. Zertifizierte Supervisorin (DGVT).

Burak Inkaya

Psychologe (M.Sc.) · in Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten (PT2)

Deutsch, Türkisch, Englisch

Erstgespräche und gemeinsame Gruppentherapie unter Supervision. Studium an der Freien Universität Berlin (Klinische und Gesundheitspsychologie). VT-Ausbildung an der Berliner FortbildungsAkademie.

Mehr über die Praxisgemeinschaft, unsere Standorte in Wedding und Mitte sowie unsere Schwerpunkte.

Kosten

Drei Wege zur Kostendeckung

Bei dokumentierter Suche und klinischer Indikation ist Dringlichkeit bei PTBS in der Regel gegeben.

GKV-Kostenerstattung

Bei dokumentierter Suche kann die Kasse die Kosten einer Privatpraxis erstatten. Voraussetzungen: Suche, Dringlichkeitsbescheinigung, Antrag.

Private Krankenversicherung

Erstattung nach Tarif. Abrechnung nach GOÄ.

Selbstzahler

50 Minuten zum aktuellen Praxishonorar. Klare Absprache im Erstgespräch.

Anleitung zum Kostenerstattungsverfahren auf der Anlaufstellenübersicht.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zu Trauma und PTBS

Welche Therapie hilft bei Trauma?

Nach S3-Leitlinie sind traumafokussierte Verfahren am besten untersucht: traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT), narrative Expositionstherapie (NET) und EMDR. Welche Methode für Sie passt, hängt von Vorgeschichte, Symptomatik und persönlichen Präferenzen ab.

Welche Phasen hat eine Traumatherapie?

Die meisten Verfahren folgen einem Dreiphasen-Modell: Stabilisierung (Sicherheit, Ressourcen, Affektregulation), Bearbeitung (Traumakonfrontation) und Integration (Sinnfindung, Neuorientierung). Phase 1 wird nie übersprungen.

Was unterscheidet PTBS von komplexer PTBS?

Komplexe PTBS (in ICD-11 als eigenes Krankheitsbild) entsteht meist nach langanhaltenden, wiederkehrenden Traumata. Zusätzlich zu klassischen PTBS-Symptomen kommen anhaltende Probleme mit Affektregulation, Selbstbild und Beziehungsgestaltung. Die Behandlung verlangt mehr Zeit für die Stabilisierungsphase.

Bieten Sie EMDR an?

Aktuell arbeiten wir in der Praxis nicht mit EMDR. Wir nutzen traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und schemathérapeutische Elemente. Wenn EMDR für Sie sinnvoll erscheint, vermitteln wir an spezialisierte Kolleg:innen.

Was kann ich tun, wenn ich gerade etwas Schweres erlebt habe?

In den ersten Wochen nach einem belastenden Ereignis sind Schutz, Sicherheit, soziale Unterstützung und Ruhe wichtiger als Therapie. Akute Stressreaktionen klingen bei den meisten Menschen innerhalb von vier bis sechs Wochen ab. Wenn Symptome länger anhalten, ist eine fachliche Einschätzung sinnvoll.

Weitere Anlaufstellen in Berlin finden Sie in unserer Anlaufstellenübersicht.

Bereit für ein Erstgespräch?

Im Erstgespräch erläutern wir Ihnen unser Verfahren und mögliche Wege.