
Rassismuskritische Psychotherapie nimmt Diskriminierung als möglichen Belastungsfaktor ernst, ohne Menschen darauf zu reduzieren. Dieser Beitrag gibt einen knappen Einblick in unsere Haltung. Die ausführliche fachliche Darstellung findet sich im Buch Rassismuskritische Psychotherapie und Supervision von Sema Akbunar und Berrin Özlem Otyakmaz (Kohlhammer Verlag).
Rassismus und andere Diskriminierungserfahrungen können die psychische Gesundheit belasten. Sie können Symptome auslösen, verstärken oder aufrechterhalten. In der psychotherapeutischen Versorgung wird das nicht selbstverständlich mitgedacht.
Wir verstehen rassismuskritische Psychotherapie und Supervision vor allem als fachliche Haltung. Dieser Beitrag beschreibt in knapper Form, was uns dabei wichtig ist. Die ausführliche Darstellung des Ansatzes bleibt dem gleichnamigen Buch vorbehalten.
Wirkung statt Absicht
Wenn Menschen von einer diskriminierenden Erfahrung berichten, ist die Frage „War das wirklich so gemeint?“ selten hilfreich. Sie verschiebt das Gespräch auf die Absicht anderer und lässt das eigene Erleben verhandelbar wirken.
Uns ist die Wirkung wichtiger als die Absicht: Was ist bei der Person angekommen und was hat es ausgelöst? Zugleich bedeutet das nicht, jedes Anliegen über Rassismus zu erklären. Diskriminierung wird dort einbezogen, wo sie bedeutsam ist und dort zurückgenommen, wo andere Themen im Vordergrund stehen. So wird Rassismus weder ausgeblendet noch eine Person darauf reduziert.
Diskriminierung ernst nehmen und zugleich beim therapeutischen Prozess bleiben: Für uns gehört beides zusammen.
Haltung und Beziehung
Viele Menschen haben erlebt, dass ihre Wahrnehmung relativiert oder weggeklärt wurde. Eine verlässliche, anerkennende therapeutische Beziehung ist deshalb für uns die Grundlage der Arbeit.
Dazu gehört auch die Bereitschaft, etwas zu korrigieren, wenn eine Äußerung unbeabsichtigt verletzt hat. Verantwortung zu übernehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil sorgfältiger fachlicher Arbeit.
Rassismuskritische Supervision
Damit diese Haltung im Praxisalltag trägt, gehört Supervision dazu. Sie ist ein Ort, an dem fachliche Qualität überprüfbar wird und sie unterstützt Fachpersonen darin, auch in unsicheren Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Wir bieten rassismuskritische Supervision für einzelne Fachpersonen und für Teams an. Auch hier gilt für uns: Die Verantwortung, dazuzulernen, liegt bei den Fachpersonen, nicht bei den Menschen, die Rassismus aus eigener Erfahrung kennen.
Ausführlich nachzulesen
Dieser Beitrag gibt bewusst nur einen knappen Einblick. Wer den Ansatz fachlich vertieft kennenlernen möchte, findet die ausführliche Darstellung im Buch „Rassismuskritische Psychotherapie und Supervision“ von Sema Akbunar und Berrin Özlem Otyakmaz, erschienen im Kohlhammer Verlag.
Wenn Sie sich für diese Haltung interessieren, sei es als Klient:in oder im Rahmen von Supervision, sprechen Sie uns gern an.
Häufige Fragen
Muss ich beweisen, dass eine Situation rassistisch war?
Nein. In der Therapie geht es nicht um Beweise oder um die Absicht anderer, sondern um die Wirkung auf Sie: was angekommen ist und was es ausgelöst hat.
Bedeutet rassismuskritische Therapie, dass es immer um Rassismus geht?
Nein. Diskriminierung wird dort einbezogen, wo sie für Ihr Anliegen bedeutsam ist und dort zurückgenommen, wo andere Themen im Vordergrund stehen.
Bieten Sie auch Supervision an?
Ja. Rassismuskritische Supervision ist Teil unserer Arbeit, für einzelne Fachpersonen wie für Teams. Bei Interesse können Sie uns über die Kontaktseite erreichen.